Sponsoring Leipziger Gruppe: 11 Fragen an das HEIZHAUS

von Redaktion | 19.10.2021

Leipzig wäre nicht Leipzig ohne seine Sozialkultur: Wir haben mit Sven Bielig, Geschäftsführer des Urban Souls Leipzig e.V. und einer der Initiatoren des HEIZHAUS, gesprochen.

Im Hintergrund ist das Heizhaus zu sehen. Davor skatet jemand mit einem Finger-Skateboard.

Seit 2009 unterstützt die Leipziger Gruppe im Rahmen ihres Sponsoring das Jugendkulturzentrum mit großer Skatehalle in Grünau. Heute ist es ein Treffpunkt, an dem man weit mehr erleben kann als Rampen runterzuheizen.

Wie wurde die Idee „HEIZHAUS“ geboren?

Sven Bielig steht auf einem Siegerpodest, hält ein Schild mit "Danke" und lacht in die Kamera.

Sven Bielig, Geschäftsführer des Urban Souls Leipzig e.V. und einer der Initiatoren des HEIZHAUS.

Wir waren damals eine Gruppe von 20 jungen Menschen, die eine Location zum Skaten gesucht hat. Uns war wichtig, einen Treffpunkt zu haben, unabhängig davon, ob es regnet oder schneit. Deshalb haben wir 2002 einen Verein gegründet und auf dem Gelände der Stadtwerke in Grünau 2009 eine Skatehalle eröffnet. Über die Jahre ist daraus ein soziokulturelles Zentrum gewachsen.

An wen richtet sich euer Angebot?

An alle. Wir sind als Jugendinitiative gestartet, aber mit mittlerweile 18 Festangestellten und 15 Projekten rund um das HEIZHAUS herum ein Ort, an dem sich mehrere Generationen begegnen können. Bei uns kann man Skaten, Tanzen, Graffiti lernen und eigene Ideen für Projekte einbringen. Seit 2013 veranstalten wir mit unserem Seniorentanzkaffee auch Events für ältere Menschen und haben hieraus 2015 eine eigene Begegnungsstätte entwickelt. Entscheidend war von Anfang an, dass wir Kulturangebote anbieten, an denen möglichst viele für einen geringen Beitrag teilnehmen können. Die meisten Angebote sind sogar komplett kostenlos.

Wie finanziert ihr euch? Wie wichtig ist Sponsoring für euch?

Viele unserer Betreuerinnen und Betreuer, Trainerinnen und Trainer sowie Kursleiterinnen und Kursleiter als auch Künstlerinnen und Künstler arbeiten ehrenamtlich. Doch Ehrenamt funktioniert nicht ohne Hauptamt. Und Hauptamt nicht ohne Sponsoring. Um unser Programm anzubieten und die Ausgaben zu decken, ist unser Verein auf Fördermittel angewiesen. Diese werden aber fast nie zu 100 Prozent ausgezahlt. Nur wenn 10 Prozent Eigenmittel erwirtschaftet werden, erhält man 90 Prozent der Fördergelder. Ohne Sponsoren und Spenden würde unsere Vereinsarbeit also nicht funktionieren. Und auch kostenfreie Angebote wären in der Art und Weise nicht möglich.

Wie habt ihr die Corona-Zwangspause erlebt?

Das war für uns wie für viele andere, die direkt mit Menschen arbeiten, herausfordernd. Wenn die persönliche Begegnung wegbricht, dann fehlt etwas sehr Essentielles. Trotzdem haben wir versucht, das Beste daraus zu machen, indem wir unser Angebot digitalisiert haben. Wir haben unsere Kurse online stattfinden lassen und Tutorials hochgeladen mit Menschen, die die Kids und Senioren kennen.

Wie wurde das Online-Angebot angenommen?

Gut. Allein die Tatsache, dass die Jugendlichen trotz Homeschooling um 15:30 Uhr zum Online-Kurs erschienen, spricht für sich. Und nicht nur die „Jungen“ haben sich darüber gefreut. Wir haben auch angefangen, Hip-Hop-Tanzkurse für Seniorinnen und Senioren zu geben. Aus drei Online-Teilnehmern ist mittlerweile ein Kurs von zehn Ü70-Jährigen geworden, die sich regelmäßig bei uns zum Hip-Hop-Tanzen treffen.

Ersetzten Tutorials das Treffen vor Ort?

Nein. Sicher haben wir auch einige Kinder nicht erreicht, die Lust gehabt hätten und sonst einfach vorbeigekommen wären. Ein Beispiel: In manchen Familien gibt es zwar Internet, aber nur ein Endgerät. Bei einer Familie mit drei Kindern ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass jedes Kind den Kurs mitmachen kann, für den es sich interessiert. Und auch manche Seniorinnen und Senioren fühlen sich mit der Technik noch nicht vertraut genug.

Wie wichtig sind Treffpunkte wie das HEIZHAUS für die Jugendkultur in der Stadt?

Sie sind wichtig, weil sie offensichtlich stark nachgefragt werden. Die jungen Erwachsenen kommen aus dem kompletten Stadtgebiet, um sich hier zu treffen und sich sportlich und kreativ auszuleben.

Das HEIZHAUS gibt es seit 2009 – wo soll die Reise noch hingehen?

Im Hintergrund ist das Heizhaus zu sehen. Davor skatet jemand mit einem Finger-Skateboard.

Direkt vor unserer Haustür entsteht gerade eine der größten Skateanlagen Deutschlands. Unsere Location, die Kurse und Programme werden so gut angenommen, dass der Platz knapp wird. Deshalb sollen auch die Räumlichkeiten vor Ort wachsen, um zur kulturellen Anlaufstelle für noch mehr Menschen zu werden.

Warum heißt das HEIZHAUS eigentlich HEIZHAUS?

Das HEIZHAUS ist eine ehemalige Umformerstation für Fernwärme der Leipziger Stadtwerke. (*Anmerkung der Redaktion: Hier wurde Dampf, der bei der Stromproduktion im Heizkraftwerk entstand, in Heizwasser für Leipzigs Haushalte umgewandelt.) Über den Namen haben wir selbst abstimmen lassen. Er passt zu uns und zur Geschichte des Gebäudes.

Wie trägt eure Arbeit dazu bei, Leipzig liebens- und lebenswerter zu machen?

In einem Zeitungsartikel wurde das HEIZHAUS vor Kurzem zu einem der Top-Ausflugsziele in Leipzig gekürt. Und das sogar bei schlechtem Wetter (lacht). So hatten wir uns das anfangs gedacht. Natürlich sind wir ein Ort, an dem man Spaß haben kann. Nach fast 20 Jahren Vereinsgeschichte sind wir aber auch ein Ort, an dem Menschen ehrenamtlich und hauptberuflich aktiv werden können. Die letzten drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten in ihrer Bewerbung stehen, dass sie nach einer „sinnstiftenden Tätigkeit“ suchen. Wir bieten jungen Menschen Perspektiven. Mit einem Praktikum, einem Freiwilligendienst oder einer Berufsausbildung. Und mindestens genauso wichtig: Das HEIZHAUS ist ein Ort, an dem Freundschaften entstehen, ja sogar Beziehungen.

Wo können Sich die Leute melden, wenn sie mitmachen wollen?

Am besten direkt vor Ort. Ansonsten per E-Mail an info@heizhaus-leipzig.de oder über Instagram @heizhaus_leipzig.

Mehr zum Sponsoring der Leipziger Gruppe gibt es unter www.L.de/engagement oder hier im L-Blog. Und über das HEIZHAUS Leipzig gibt es hier im L-Blog auch noch mehr zu erfahren.

Das HEIZHAUS

Die Jugendkultureinrichtung HEIZHAUS befindet sich seit 2009 in Grünau im Leipziger Westen. Hier treffen sich Kinder und Jugendliche zum Roll- und Tanzsport, Musizieren und, um künstlerisch und kulturell aktiv zu sein. Laufend entwickeln sich neue Projekte, wie z. B. der Mehrgenerationentreff MITTENDRIN im Stadtteil Leutzsch. Das HEIZHAUS selbst steht allen Kindern und Jugendlichen offen und dient als Ort des gemeinsamen Austausches. Neben der Skatehalle und Tanzräume hält es Angebote wie Tischfußball, eine Lese-Ecke und Hausaufgabenhilfe bereit. Insbesondere Kinder und Jugendliche, die soziale Ungleichheit erfahren, werden mit den Angeboten aufgrund der niedrigen Zugangsvoraussetzungen angesprochen. Mehr Infos unter www.heizhaus-leipzig.de.

 

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